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Die „Schwarze-Lungen-Lüge“-Lüge: Wie die Raucherlobby für Lungenkrebs und Raucherbein die Unwahrheit erzählt

Regelmäßig findet man auf Raucherseiten irgendwelche vermeintlichen Belege, nach denen angeblich Wissenschaftler oder Mediziner gesagt haben sollen, dass Rauchen unschädlich sei. Es werden Zitate und Namen präsentiert, die Seriosität vorspiegeln sollen. Auch wenn das Material angesichts des dargebotenen Bullshits wirklich schwer zu glauben ist, sollte man der Sache mal konkret nachgehen. Sieht man dann aber gezielt nach, erkennt man schnell, dass hier seitens der Raucherlobby massiv gelogen bzw. die Wahrheit verdreht wird. Ein Beispiel, das in die facebook-Gruppe „Raucher in Deutschland“ von einem „Frank Schneidereit“ eingestellt wurde. Er hält die dort gemachten Aussagen für „vernünftig“. Recherchieren ist wohl nicht unbedingt die Sache des Herrn Schneidereit.

Die

Die „Schwarze-Lungen-Lüge“-Lüge (Quelle)

Gehen wir ins Detail und untersuchen die gemachten Aussagen.

Erster Textauszug:

Dr. Victor Buhler, Pathologist at St. Joseph Hospital in Kansas City: “I have examined thousands of lungs both grossly and microscopically. I cannot tell you from exmining a lung whether or not its former host had smoked.”

Forscht man nach dem Ursprung des Zitats von „Dr. Victor Buhler“ erhält man im Internet kein Ergebnis. Zumindest keines, wo dies der angebliche Urheber nachweislich gesagt hat. Man findet hingegen Dutzende Raucherseiten, die dieses angebliche Zitat nachplappern. Weiterhin findet man eine Seite einer amerikanischen Lokalzeitung. Dort wird gesagt, dass Dr. Victor Buhler bereits im Oktober 1983, also vor 32 Jahren, verstorben ist (Link). Der Verdacht liegt also mehr als nahe, dass hier einem Menschen, der dies nun wirklich nicht mehr richtig stellen kann, einfach ein Zitat untergeschoben werden soll.

Gleiches gilt auch für den angeblichen „Dr. Duane Carr“, der folgendes gesagt haben soll:

“Dr. Duane Carr – Professor of Surgery at the University of Tennessee College of Medicine, said this: “Smoking does not discolor the lung.”

Dr. Duane Carr hat es zwar auch gegeben, aber auch der ist bereits lange verstorben. Er erlag bereits im Jahre 1993 einer längeren Krankheit (Quelle). Die gleiche Lügenmasche wie oben also.

Ein dritter Fall aus dem obigen facebook-Auszug:

‚Nearly 80% of people diagnosed with lung cancer now, in 2012, are non-smokers.‘

Schlägt man den Link auf, der unter der Aussage steht, findet man diese Aussage nirgendwo im Text bestätigt. Die Webseite beschreibt eine Ärztin, die sich für Krebskranke einsetzt. Es erscheint auch unvorstellbar, dass sich eine Fachperson mit solch einer hanebüchenen Aussage in die Öffentlichkeit trauen würde. Im Gegenteil. Sieht auf den am Textanfang verlinkten Seiten zum Thema „Lungenkrebs“ nach, findet sich dort ein Artikel welcher sich mit den Risikofaktoren für das Bronchialkarzinom befasst. Dort steht u. a. zu lesen:

Smoking is responsible for at least 80% of lung cancer deaths in the United States. (Quelle)

Hier tritt die Zahl „80%“ zwar auf, aber in einem vollständig gegenteiligen Zusammenhang. Das obige Zitat von „Smokers Against Discrimination“ ist offenbar eine komplette Fälschung. In die Welt gesetzt nur zur gezielten Desinformation.

Wir haben hier also ein sehr sprechendes Beispiel vor uns, wie die Raucherlobby gezielt Falschinformationen in die Welt setzt und vorsätzlich lügt, um Glauben zu machen, Personen aus dem Kreis der Wissenschaft hätten das Rauchen als unbedenklich angesehen oder verträten die Auffassung, dass es keine Gesundheitsschäden verursache.

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„Netzwerk Rauchen“erklärt, warum man Kinder ruhig vollrauchen darf

Ein Dossier von Peter Rachow

„Rauchen ist nicht gesundheitsschädlich…gez. Dr. Marlboro“. So ulkte vor Jahrzehnten der Komiker Otto Waalkes. Und noch heute bedienen sich Tabakindustrie und ihre Helfershelfer dieser einfachen Methode der konsequenten Desinformation. Ein Beispiel: Das hier untersuchte Pamphlet des sog. „Netzwerk Rauchen“.

http://www.netzwerk-rauchen.de/mitglied-werden/doc_download/98-kinder-und-passivrauch.html

Hier versucht diese ebenso kleine wie fanatische Nikotinsüchtigengruppe neuerlich zu beweisen, dass vom Passivrauchen keinerlei Gefahr ausgehe. Man hat sich dazu diesmal die Problematik „Kinder und Passivrauchexposition“ herausgegriffen. Und wie üblich funktioniert dieses Pamphlet nach altbekanntem Muster: Leugnen, relativieren, verwirren.

Gehen wir ins Detail:

Gleich zu Beginn des Textes geht der wie immer anonym bleibende Autor bzw. die Autorengruppe (denn es steht zu vermuten, dass an diesem geistigen Offenbarungseid mehrere Personen mitgeschrieben haben müssen) des sog. „Netzwerk Rauchen“, mit dem durch sie erkannten vermeintlichen „Zeitgeist“ ins Gericht: Tabakrauchen sei früher doch völlig normal gewesen, Kindern habe es nie geschadet und damals sei man sei eben einfach „unverkrampft“ gewesen. (S. 5)

So wird am Anfang dieser exorbitant dilettantisch gemachten Desinformationsschrift des sog. „Netzwerk Rauchen“ gleich mal der Normalmensch, der keine Krebs erregenden und toxischen Substanzen einatmen will und der auch andere vor diesem Giftcocktail schützen will, in die Ecke der hypochondrischen Neurotiker gestellt. Und auf der anderen Seite wird quasi als Gegenpol der souveräne, „unverkrampfte“ Genussmensch aufgebaut. Eine durchaus bekannte, hochgradig dumme, stereotype und obendrein leicht zu durchschauende Taktik. Aber man bleibt damit den bekannten Verdummungsschriften des sog. „Netzwerk Rauchen“ und ihren regelmäßig blöd- bis schwachsinnigen Darlegungen in Stil und Inhalt treu.

Das anschließende Lamento über den ach so bösen Zeitgeist, die „Systemmedien“ (was auch immer man darunter zu verstehen habe), die angeblichen Raucherhetzer im Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz) usw. usw. und den ganzen weiteren nikotinbeseelten Jammerkram des sog. „Netzwerk Rauchen“ lassen wir einfach mal beiseite. Es macht keinen Sinn, sich mit diesem spezifischen hochdosierten Unsinn einiger schwerstabhängiger Nikotinnutzer genauer zu beschäftigen. Es ist reine Zeitverschwendung.

Wir wollen dagegen nachfolgend durch Textauszüge exemplarisch zeigen, wie die anonymen Autoren dieser Desinformationsschrift immer wieder versuchen, ihre Leser systematisch zu verdummen indem sie unwissenschaftlich argumentieren, in Stammtischparolen zurückfallen und diesen ganzen ekelerregenden Ausfluss von Nikotinapologie noch mit ein paar durchaus lustigen Weisheiten zu garnieren suchen. Und dies alles nur zum Zweck, das Passivrauchen zu verharmlosen und den Nichtraucherschutz abzuschaffen.

Gehen wir also in medias res: Denn richtig haarsträubend wird es nämlich sofort auf der Seite 8 dieses Traktates gegen den Nichtraucherschutz. Es wird seitens der Schreiber des genannten Textes angeführt, dass das dkfz in Heidelberg ausgeführt habe, Passivrauchen füge Kindern in Familien in denen geraucht wird, schwere gesundheitliche Schäden zu. Diese Aussage des dkfz wird natürlich seitens der Nikotinjünger rundweg bestritten.

Doch zuvor einige erläuternde Ausführungen:

Als Referenz für die Passivrauchbelastung eines Individuums zieht das dkfz in seinen Schriften immer wieder den Cotininspiegel im Blut der Kinder heran. Cotinin ist ein Abbauprodukt des Nikotin im menschlichen Körper und damit ein Biomarker für Tabakrauchexposition. Das Pamphlet der Nikotinbefürworter verweist in diesem Zusammenhang auf eine Statistik des Umweltbundesamtes unter

http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3257.pdf .

Im Text des sog. „Netzwerk Rauchen“ wird zu diesen Daten ausgesagt, dass der Cotininpegel der Kinder aus Nichtraucherhaushalten unter der Nachweisgrenze von 2ug/l Blut liege, der von Kindern aus Raucherhaushalten dagegen im Mittel 2,62 ug/l Blut betrage wenn diese mit mindestens einem Raucher zusammen leben würden.

Dabei wird wohlweislich unterschlagen, dass eben die Nachweisgrenze des Messverfahrens bei 2ug/l liegt, dass dabei aber keine exakte Aussage über den tatsächlichen Cotininspiegel im Blut der Nichtexponierten möglich ist der dann irgendwo zwischen 0 und 2ug/l Blut liegt. Es steht aber die Zahl „2“ im Raum die sich in Relation zur Zahl „2,6“ besonders gut macht, da die Differenz zwischen beiden Werten sehr klein ist. Dass der tatsächliche Wert wahrscheinlich sehr viel niedriger liegt, wird unterschlagen.

Interessant wird die Sachlage aber in dem Moment, wo aber bereits 2 Raucher pro Haushalt ständig anwesend sind. Hier beträgt der gemittelte Cotininspiegel im Blut der untersuchten Kinder nämlich bereits 4,8 ug/l Blut. Dieser Sprung wird aber seitens der Autoren des sog.“Netzwerk Rauchen“ wohlweislich unterschlagen, weil dann jeder Leser, der zumindest grundsätzliche Kenntnisse über das Wesen mathematischer Funktion hat, merken würde, dass die Anzahl der Raucher im Haushalt zumindest in erster Näherung mit dem Cotininspiegel im Blut korreliert und dass der Cotininspiegelein Prädiktor für das Rauchverhalten in dem jeweiligen Haushalt ist.

Wie hoch liegt der Cotininspiegel von Kindern in Nichtraucherhaushalten wirklich?

Diese Berechnung ist nicht mit 100%iger Verlässlichkeit durchzuführen, weil andere Parameter nicht erschließbar sind, wie z. B. die Passivrauchbelastung außerhalb der Wohnung und bei vielen rauchenden Familiengliedern die genaue Zahl dieser Raucher. Vereinfachend wollen wir annehmen, dass die Kinder in einem Haushalt mit 2 Rauchern leben. Geht man davon aus, dass es sich um eine lineare Dosis-Wirkungsbeziehung handelt, ergibt sich folgende Tabelle

Netzwerk Rauchen - Falsche Annahmen zur Cotininbelastung

Netzwerk Rauchen – Falsche Annahmen zur Cotininbelastung

Zu ermitteln wäre also X für die Cotininbelastung von Kindern aus Nichtraucherhaushalten.

Es ergibt sich:

Für die Steigung der Funktionsgeraden gilt m=dy/dx, also (4,8-2,6)/1=2,2.
Für den Y-Achsenabschnitt gilt f(1)=m*1+y0 also y0=2,6-2,2=0,4.

Netzwerk Rauchen - Falsche Annahmen zur Cotininbelastung

Netzwerk Rauchen – Falsche Annahmen zur Cotininbelastung

Weiter zum Text des dubiosen „Netzwerk Rauchen“:

Dieser Wert von 0,4 ug/l Blut entspräche theoretisch der Cotinin-Belastung von Kindern aus Nichtraucherhaushalten.

Stattdessen wird seitens der anonymen Autoren als vollkommen untauglicher Vergleich bemüht, dass der Cotininpegel im Blut von rauchenden Kindern sogar 269 ug/l Blut beträgt, als ca. 100-fach so hoch wie der jener Kinder in einem Haushalt mit einem Raucher. Dies ist aber vollkommen bedeutungslos, da hier unzulässigerweise aktiv- und passivrauchende Kinder verglichen werden. Auf jeden Fall hat man eine beeindruckende Relation gebildet und somit die Passivrauchexposition erfolgreich verharmlost.

Der Gipfel des wissenschaftlichen Unvermögens des Autors des sog. „Netzwerk Rauchen“ stellt in diesem Zusammenhang übrigens die ebenfalls auf Seite 8 getätigte Behauptung dar, Cotinin sei ja sowieso vollkommen unschädlich, egal ob man aktiv oder passiv rauche. Durch diese Aussage soll natürlich verschleiert werden, dass Cotinin nur ein Abbauprodukt im Metabolismus des Nikotins ist und dass die Nikotinaufnahme durch den Nebenstromrauch und den exhalierten Hauptstromrauch des Rauchers über die Raumluft in den Organismus des Passivrauchers erfolgt und dabei einen wichtigen Indikator für eine Tabakrauchexposition und somit eine Exposition mit Kanzerogenen und Toxinen, darstellt.

Und die anonymen Autoren des dubiosen „Netzwerk Rauchen“ entblöden sich tatsächlich ebenfalls nicht, auf das Kanzerogen „Tabakrauch“ die Weisheit des Paracelsus anzubringen: „Dosis facit veneum“. Den Unterschied zwischen einem Toxin und einem mutagenen Karzinogen und die dahinter stehenden Wirkmechanismen haben die Autoren wohl nicht einmal ansatzweise verstanden. Allerdings wird dann auch klar, dass das medizinische Wissen dieser Autoren wohl wie jenes des Paracelsus ebenfalls auf dem Niveau des 15. Jahrhundert stehen geblieben sein muss.

Nächstes Beispiel: Eine weitere gerne angewandte Methode des sog. „Netzwerk Rauchen“ ist es, Behauptungen aufzustellen, für die dann aber keinerlei Belege geliefert werden. Stattdessen werden in aller Regel weitere Behauptungen nachgeschoben, um zu verwischen, dass bereits die vorher gemachten Behauptungen unwahr sind.

Diese Taktik kann man sehr gut bereits am Anfang dieses Pamphletes beobachten. Auf Seite 9 finden wir folgenden Textauszug:

„Die multifaktorielle Epidemiologie bedient sich also der Methoden der Sozialforschung und der Statistik. dabei beachtet sie aber meist nicht deren wissenschaftliche Standards. […]“

Einen Beleg für diese These sucht man wie stets vergebens. Es schließt sich dagegen ein sehr oberflächlicher Exkurs in die einfachsten methodischen Grundlagen der epidemiologischen Problemstellungen an. Hier soll dargelegt werden, wie allfällige Probleme der Statistik angeblich verhindern sollen, dass man bei medizinischen Studien zu validen, reliablen und reproduzierbaren Ergebnissen kommt. Was dann aber in der Gesamtheit der weiteren Ausführungen nicht zum Ausdruck kommt ist, welche methodischen Ansätze es gibt, diese potenziellen Fehler zu vermeiden. Gängige Strategien in der Epidemiologie sind z. B. die Generierung eines großen Kollektives von statistischen Zwillingen, die rechnerische Eliminierung von Verzerrungen, das Durchführen von „Peer-Reviews“ usw. usw.

Stattdessen dass man seitens der Autoren nun sauber auf die entsprechende wissenschaftliche Methodik eingeht und es nicht nur bei einem auf Tertianerniveau angesiedelten Abhandeln einfachster Grundlagen belässt, wird der Forschung und damit den Forschern generell unterstellt, unsauber zu arbeiten und damit auch unplausible Ergebnisse zu produzieren.

In diesem Teil dieses von offenkundigen wissenschaftlichen Laien verfassten Textes ist, quasi zum Beleg der vorher aufgestellten haltlosen Behauptungen, dann zum x-ten Male die altbekannte Korrelation vom Verschwinden der Störche koinzidierend mit dem Geburtenrückgang zu finden. Derlei ist aber wirklich nur beim ersten Mal wirklich lustig, aber beim zweiten oder dritten Mal wirkt diese Stereotype modernern Wissenschaft ebenso abgeschmackt wie dumm, denn kein ausgebildeter Wissenschaftler wird ein Studienergebnis alleine basierend auf einer simplen Korrelation von 2 unabhängigen Eingangsgrößen ermitteln wollen.

Weiter belustigt in diesem Zusammenhang übrigens der Hinweis der unbekannten Autoren, dass es um die Reproduzierbarkeit von statistischen Ergebnisse generell sehr schlecht bestellt sei. Garniert wird diese ebenfalls unbewiesene Behauptung mit der Aussage, dass eine Person, die zweimal den Inhalt der eigenen Geldbörse nachzählen würde, dort auch regelmäßig zu abweichenden Ergebnissen käme. Man könnte ja fast lachen über die intellektuelle Schlichtheit dieser Autoren, wenn es nicht so traurig wäre, was dort unablässig verzapft wird. Dass sich diese Leute mit einem geistig derart unterlegenen Schmarrn an die Öffentlichkeit trauen, lässt tief blicken.

Gehen wir weiter:

Um die eigenen haltlosen Behauptungen zu belegen werden anschließend aus dem Report des „Surgeon General“, also der obersten amerikanischen Gesundheitsbehörde, wahllos Statistiken herausgegriffen und nach Belieben interpretiert. Hier zuerst die Arbeit der amerikanischen obersten Gesundheitsbehörde zum Nachlesen:

http://www.surgeongeneral.gov/library/s … t/chapter6.

Ab der Seite 13 des Desinformationstextes des sog. „Netzwerk Rauchen“ wird auf diese Arbeit interpretierend Bezug genommen (S. 386 ff. des „Surgeon“-Textes). Dabei wird versucht, anhand bestimmter Kriterien zu evaluieren, ob diese in dem amerikanischen Papier genannten Daten, z. B. zu einem Zusammenhang zwischen Lungeninsuffizienz bei Kindern und der Exposition mit Passivrauch, überhaupt signifikant und aussagekräftig seien.

Man führt dazu die selbst aufgestellte These an, dass jedes Relative Risiko (RR) kleiner als 2,0 generell nicht statistisch signifikant sei. An diesem Anker zieht man sich im Verlauf gleich mehrere Male hoch ohne je zu belegen, dass dies überhaupt Stand der Wissenschaft ist. Stattdessen werden nur einige Leute zitiert, die dies angeblich gesagt haben sollen.

Im Anschluss wird behauptet, dass die überwiegende Mehrheit der Studien in dem amerikanischen Papier keinen Beleg für einen Zusammenhang zwischen der Lungenfunktion der Kinder und dem Rauchverhalten der Eltern liefern würden. Es werden sodann mehrere Graphen „analysiert“ und jedes Mal wird festgestellt, dass die statistischen Zusammenhänge unzureichend seien, einen Zusammenhang von Passivrauch und eingeschränkter Lungenfunktion bei Kindern zu belegen. Dies wird aber wiederum nur anhand 2er willkürlicher Kriterien fest gemacht (wie erwähnt: RR <= 2,0 sowie „statistische Signifikanz“ ohne auf diese weiter einzugehen). So kommt man sicher zu jedem beliebig einstellbaren Ergebnis.

Auffällig ist ebenfalls, dass eine zusammenfassende Tabelle auf S. 398 des „Surgeon General Report“, die klar zeigt, dass wenn man alle Daten zusammenfasst, eine deutliche Einschränkung der Lungenfunktion bei Kindern festzustellen ist, die von Ihren Eltern Passivrauch gegenüber exponiert wurden, nicht Eingang in das Pamphlet gefunden hat. Dies ist übrigens eine weitere gerne verwandte Methode der nikotinsüchtigen Pseudowissenschaftler: Es werden nur die Daten vorsätzlich missinterpretiert, die sich auch gut dazu eignen. Alle anderen Informationen werden schlicht und einfach unterschlagen.

Die Wissenschaftler der amerikanischen obersten Gesundheitsbehörde übrigens, die im Gegensatz zu den Amateuren des sog. „Netzwerk Rauchen“ mutmaßlich eine wesentlich höhere Qualifikation besitzen dürften, kommen bei der Auswertung zu ganz anderen Ergebnissen:

Conclusions
1. The evidence is sufficient to infer a causal relationship between maternal smoking during pregnancy and persistent adverse effects on lung function across childhood.
2. The evidence is sufficient to infer a causal relationship between exposure to secondhand smoke after birth and a lower level of lung function during childhood.

Und die dargebotene Wissenschaftsgroteske geht immer noch weiter. Denn wenn man schon mal am Zusammenwürfeln von beliebigen Daten mit anschließender beliebiger Interpretation derselben ist, kann man auch gleich noch mal richtig Unsinn verbreiten:

„In Haushalten, in denen durchschnittlich mehr geraucht wird, lebt es sich für die Kinder offenbar gesünder.“ (S. 18 des Raucherpamphletes). Diesen Unsinn muss man allerdings nun wirklich nicht weiter kommentieren außer dass er auf der willkürlichen Verknüpfung einer Untersuchung auf der Webseite http://www.kiggs.de und der mutmaßlichen Tabakprävelenz in niedrigen Sozialschichten besteht.

Weiter geht es mit dem Kapitel über den Zusammenhang zwischen z. B. chronischen Husten bei Kindern und dem Rauchen der Eltern. Kategorische Aussage der Autoren des „Netzwerk Rauchen“: Kein statistischer Zusammenhang! Dagegen steht allerdings die Aussage der Wissenschaftler der amerikanischen Gesundheitsbehörde:

Conclusions
1. The evidence is sufficient to infer a causal relation-ship between parental smoking and cough, phlegm, wheeze, and breathlessness among children of school age.
2. The evidence is sufficient to infer a causal relationship between parental smoking and ever having asthma among children of school age.

Wir beenden den Diskurs mit dem Machwerk der Nikotinfanatiker an dieser Stelle. Alles was zu zeigen war, wurde gezeigt. Man muss man sich natürlich abschließend kopfschüttelnd fragen, warum Menschen, die keinerlei einschlägige wissenschaftliche Ausbildung haben, sich zu der verwegenen Tat versteigen, über komplexe medizinisch-statistische Zusammenhänge in ihrem Sinne referieren zu wollen. Man müsste in diesem Zusammenhang sicher Begriffe wie „maßlose Selbstüberschätzung“ „Größenwahn“ und „Nikotinmissbrauch“ diskutieren. Es ist und bleibt jedenfalls ultimativ grotesk was von dem hier genannten Verein von schwerstabhängigen Nikotinsüchtigen namens „Netzwerk Rauchen“ an Unsinn kommt. Und noch kommen wird.

Peter Rachow 2010-2014

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„Chemie statt Mythen“ wie das „Netzwerk Rauchen“ Menschen verdummen will – von Peter Rachow

Das sog. „Netzwerk Rauchen“ versucht sich immer wieder an der systematischen Desinformation der Menschen um zu zeigen, dass Passivrauchexposition angeblich vollkommen harmlos sei und der Nichtraucherschutz daher abgeschafft gehöre. Die entsprechenden Pamphlete dieser ultraaggressiven Nikotinikerorganisation strotzen dabei von Logik-, Rechen- und anderen Fehlern und sind daher in der Regel nicht von einem namentlich genannten Autor verfasst. Denn wer will schon in der Öffentlichkeit als Verfasser derartig im besten Falle dürftiger aber in aller Regel vollkommen falscher Veröffentlichungen erkennbar sein?

Das hier vorliegende Papier „Chemie statt Mythen“ soll seitens der Ultraraucher belegen, dass die Schadstoffe des Passivrauchs im Vergleich zu anderen natürlichen oder anthropogenen Umweltbelastungen vernachlässigbar seien. Es werden seitens der Nikotinfanatiker dabei Darstellungen abgegeben und Aussagen gemacht, die entweder grob falsch oder zumindest so stark verzerrt sind dass sie in keinem Falle einem auch nur minimalen wissenschaftlichen Standard entsprechen. So werden z. B. häufig Dinge miteinander verglichen, die überhaupt keinen Vergleich zulassen, Zusammenhänge werden aufgebaut wo keine sind, Relativierungen realer rauchbedingter Risiken werden versucht, indem man kleine Alltagsrisiken aufbläht und in Relation zum angeblich harmlosen Tabakrauch setzt etc. etc.

Dies alles dient ausschließlich der gezielten Verdummung und Desinformation der Leser. Welche Wege dabei beschritten und welche Methoden angewandt werden, soll nachfolgend aufgezeigt werden. Wir wollen den Text „Chemie statt Mythen“ daher auszugsweise analysieren und die haarsträubendsten Fehler herausarbeiten, um den groben Unsinn des „Netzwerk Rauchen“ als das zu entlarven, was er substanziell ist: Übelste Propaganda im Namen des möglichst ungehinderten und rücksichtslosen Nikotinkonsums.

Gehen wir nun also in medias res: Haarsträubend an diesem Text sind viele Textstellen. Wir wollen sie nachfolgend zumindest exemplarisch besprechen.

Die Arbeit dieses Autors, der sich nicht traut, mit seinem Namen hinter seiner „Arbeit“ zu stehen, beginnt auf S. 5 mit einem Vergleich von Zigarettenrauch und Autoabgasen. Ein bei Extremrauchern gerne bemühter Vergleich. Schon dieser ist allerdings per se haarsträubend.

Die Edukte (Ausgangsstoffe) beider Prozesse (dem Rauchen von Tabak auf der einen und dem Verbrennen von Kraftstoff in einem Otto- oder Dieselmotor auf der anderen Seite) sind völlig unterschiedlicher Natur. Und damit sind auch die Produkte sowie die thermodynamischen und chemischen Gegebenheiten beim Verbrennungsprozess selbst vollständig unterschiedlich und nicht vergleichbar. Und dies sowohl was die qualitative als auch die quantitative Zusammensetzung der Edukte als auch der Produkte betrifft. Schon alleine der Versuch, einen derart abstrusen Zusammenhang herzustellen, lässt erhebliche Zweifel daran aufkommen, dass der unbekannte Autor, wie er vorgibt, tatsächlich ein Chemiestudium absolviert haben kann.

Vor allem anderen sind die Verbrennungsbedingungen bei beiden Prozessen nicht vergleichbar. Im Ottomotor findet die Verbrennung des zugeführten Kraftstoffes optimiert und unter ständiger Regelung des Kraftstoff-Luft-Gemisches statt  Wir nennen hier beispielhaft die Lambdasonde und den Luftmassenmesser als Sensoren, die Motorelektronik und -management als Stellglied des entsprechenden Regelkreises beim Benzinmotor. Beim modernen Dieselmotor haben wir entsprechende Systeme in Gestalt eines optimierten Dieseleinspritzsystems. Der Stoff, der im Motor verbrannt wird, ist dabei ein genau definiertes Gemisch aus flüssigen Kohlenwasserstoff-Verbindungen nebst Additiven für Klopffestigkeit, Motorschmierung etc.

Als Resultat dieses optimierten und stöchiometrisch korrekten Verbrennungsprozesses bleiben nach katalytischer Reinigung i. W. CO2 und H2O übrig. Feinstaubpartikel emmittiert ein Ottomotor kaum, ein Dieselmotor in Abhängigkeit von der Einspritztechnologie. Ältere Verteilereinspritzpumpenmotoren (VEP) weisen eine höhere Feinstaubemmission auf als Motoren mit Pumpe-Düse-Technik (PD). Am besten schneidet diesbezüglich jedoch der Common-Rail-Diesel ab, eine Höchstdruckeinspritztechnik, bei der aus einer zentralen Hochdruckpumpe unter Zwischenschaltung eines Puffersystems piezo-elektrische Einspritzventile gespeist werden.

Moderne Diesel-Fahrzeuge sind zusätzlich mit einem Dieselpartikelfilter (DPF) ausgrüstet und erreichen höchste Standards was die Abgasqualität betrifft.

Bei der Zigarette sind es dagegen hochkomplexe organische Verbindungen, die bei einer Temperatur zw. 500°C und 900°C unter vollkommen undefinierten Randbedingungen (Sauerstoffzufuhr, Temperatur in der Glutzone, mitverbrennende Zusatzstoffe im Tabak, Rauchverhalten des Konsumenten) verschwelt werden. Das entstehende Schadstoffgemisch differiert daher in Quantität und Qualität erheblich.

Außerdem werden Kfz in aller Regel nicht in geschlossenen Räumen betrieben, so dass sich hier jeder Vergleich bei vernünftiger Betrachtung von vorneherein ausschließt.

Auch beim Thema „CO“ und „CO2“ auf der Seite zeigt der Autor, dass er weder von Chemie noch von Medizin etwas versteht. Er schreibt

„Da die gewöhnliche Außenluft schon etwa 0,3 Vol % CO2 enthält,…“
(S. 7)

Falsch. Setzen! Sechs!. Der CO2-Anteil in der Luft beträgt 0,035%! Aber was macht eine Zehnerpotenz denn schon aus?

„Kohlendioxid
 
Der Stoff ist an sich irrelevant für die Gesundheit. Seine Konzentration kann allerdings, wie bereits gezeigt, als Marker für die allgemeine Raumluftqualität genutzt werden.“
(S. 10)

Wieder die vollkommene Unkenntnis des anonymen Autors: Ein Überhang an CO2 führt beim Menschen zu einer sog. „Hyperkapnie“. Bei leichter Verlaufsform aufgrund niedriger CO2-Konzentration sind Kopfschmerzen eine häufig beobachtete Symptomatik. Bei schwerer Verlaufsform tritt dann eine Tachykardie (Herzrasen) nebst einer Hypertonie (Bluthochdruck) auf. Für Menschen mit einer bestehenden Herzinsuffizienz keine unproblematische Situation.

Ebenso ohne jede Ahnung der Materie geht es beim nächsten Thema weiter:

„Kohlenmonoxid
 
Kohlenmonoxid wird vor allem durch Automobilabgase (70 % der Gesamtmenge) und Feuerungsanlagen erzeugt. In Städten können in der Außenluft bis 20 mg/m3 gemessen werden. In geringen Mengen entsteht CO auch als normales Stoffwechselprodukt. Jeder Mensch hat deshalb merkliche Mengen davon im Blut. Zigarettenabgase sind im Vergleich dazu für einen Nichtraucher fast bedeutungslos.“
(S. 10)

Leider nennt der unbekannte Autor keine Zahl, wie stark die Belastung eines verqualmtem Lokals mit CO nach welcher Zeit ist. Seine Aussage ist daher unbelegt und damit völlig wertlos. Auch die Aussage, dass jeder Mensch merkliche Mengen im Blut habe ist so nicht korrekt. Der Wert des im Blut durch CO blockierten Hämoglobin (CO-Hämoglobin = Carboxyhämoglobin = COHb) liegt beim Nichtraucher im Bereich von 0,4-1,5% Anteil am Gesamt-Hb. Beim Raucher liegt dieser Wert zwischen 3 und 15% also um ca. den Faktor 10 höher.

Eine Untersuchung zur Aufnahme u. a. von CO an Nichtrauchern in einer Rauchumgebung ergab eine signifikante Erhöhung des Spiegels an ausgeatmetem CO und damit ein klares Indiz für eine erheblich gesteigerte CO-Aufnahme durch Passivrauchexposition. Link.

Eine andere Studie ergab eine Erhöhung des COHb um 1% wenn Versuchpersonen sich in einem mit 80 Zigaretten und 2 Zigarren vollgeräucherten Raum 78 min. aufhielten. Link. Bei 3% COHb beginnt bereits für disponierte Personen der Bereich der Gefährdung z. B. durch Angina pectoris bei Herzkranken. Dieser Wert kann also unter bestimmten Umständen in einem verrauchten Lokal wo an einem Abend wesentlich mehr Zigaretten abgebrannt werden, leicht erreicht bzw. überschritten werden.

Und jetzt wird es wirklich lächerlich im Text unsere anonymen „Chemikers“:

„Acrolein

Es entsteht hauptsächlich beim Erhitzen von Speisefett, vor allem dann, wenn das Fett überhitzt wird und ‚brenzlig’ riecht. … Die selben Rauchverbotsbefürworter, die, angeblich aus Sorge für die Gesundheit der Kellner, kein einziges Tabakwölkchen im Lokal dulden wollen, finden nicht das geringste dabei, ein gebratenes Steak zu ordern und damit den Koch am Herd bei der Zubereitung diesem und anderen gefährlichen Schadstoffen auszusetzen.“
(S. 15)

Es scheint bei diesen Herrschaften durchaus üblich zu sein, Speisen dergestalt zuzubereiten, dass das verwendete Bratfett auf Temperaturen >200°C erhitzt wird. Dabei kommt es zur sogenannten Pyrolyse, d. h. das Fett wird durch hohe Temperatur in kleinere Moleküle aufgespaltet und neue Verbindungen entstehen.

Die nächste Frage, die zu stellen wäre, ist jene, welche Belege und Fakten der unbekannte Autor für seine abstruse These hat, dass sich Rauchgegner gerne mal ein verbranntes und verkohltes Steak gönnen.

„…Tatsächlich können in Gastronomie-Küchen leicht Kanzerogenwerte gemessen werden, welche die Konzentration dieser Stoffe im Kneipenrauch um ein vielfaches überschreiten – das gilt nicht nur für Acrolein, sondern auch für Nitrosamine und Benzo(a)pyren!“

Wie üblich bleibt dieses auch ohne Beleg, keine Zahlen, keine Verweise, nichts. „Mythen statt Wissen“ möchte man sagen.

„Benzol
Die Verbreitung dieser Substanz ist tatsächlich ein Skandal!
Aber nicht die Raucher tragen Schuld, sondern der Verkehr:“
(S. 16)

Und der Straßenverkehr, sowie Schiffe oder Flugzeuge nutzen geschlossene Räume?

 „…
Damit das Benzin ein paar Cent billiger bleibt, wird die Luft, die wir alle atmen, in unverantwortlicher Weise unnötig mit einem gefährlichen Kanzerogen belastet!“

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn dieser Autor einfach einmal lernen würde, dass es einen gewichtigen Unterschied macht, ob ein Schadstoff in der Raumluft angereichert oder in der Umgebungsluft außerhalb geschlossener Umgebungen sehr schnell durch Thermik und Luftströmungen verdünnt wird.

„Ein Raucher auf dem Land hat weniger Benzol im Blut als ein Nichtraucher in der Stadt!“.

Dies als Grund dafür darzustellen, die Benzolproblematik sei zu vernachlässigen zeugt von einer erheblichen nikotininduzierten cerebralen Dysfunktion. Aber auch dies ist einen häufig verwendete Vorgehensweise der Pseudowissenschaftler des sog. „Netzwerk Rauchen“: Ablenkungsversuche durch Relativieren sind das Allheilmittel dieser Klientel.

Abgesehen davon wurde der Benzolanteil im Benzin in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abgesenkt und eine signifikante Gesundheitsgefahr beim Tanken dadurch verinngert. Außerdem sorgen obligate Rückführungsysteme seit vielen Jahren dafür, dass beim Tanken von Vergaserkraftstoff aus dem Tank während des Tankvorgangs keine Benzindämpfe mehr austreten.

„Benzo[a]pyren
entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von organischen Stoffen und ist infolge dessen weit verbreitet. Beim Holzkohlegrill liegen die Benzo-a-pyrenwerte mit ca. 50µg/kg (Was 625 Zigaretten oder 6 Jahren permanenter Passivrauchexposition entspricht!) höher als beim Grillen mit Infrarot, bei letzterem liegen die Werte bei ca. 0,2-8µg/kg gegrilltem Fleisch. (Was 2 bis 100 Zigaretten oder 16 Stunden bis 11 Monaten permanenter Passivrauchexposition entspricht!)“
(S. 19)

Hier werden wieder in vollkommen untauglicher Weise Expositionsdaten miteinander verglichen (so sie überhaupt stimmen) und Zahlen munter durcheinander gewürfelt, dass einem Hören und Sehen vergehen können. Das alles dann aber ohne eine nähere quantitative Aussage zu machen unter welchen Randbedingungen diese Exposition überhaupt zu Stande kommt. Und welche Mengen nimmt ein Nichtraucher, der nicht täglich erhebliche Mengen an Grillgut verzehrt, eigentlich genau auf? Und wer grillt schon mit einem Holzkohlengrill im Innenraum?

„Nickel
 
…wird als Kanzerogen genannt, also als ein Stoff, ‚für den keine Wirkungsschwellen als Dosismaß definiert werden, unterhalb derer keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten wäre. …Somit können auch kleinste Belastungen mit den … Kanzerogenen zur Entwicklung von Tumoren führen.’
 
Das ist ja grässlich, vor allem für die Europäische Zentralbank – die hat nämlich Milliarden von Euromünzen in Umlauf gebracht die überwiegend aus Nickel sind! Ein Skandal ungeahnten Ausmaßes! Die Eurobanker vergiften ihre Kunden!“
(S. 21)

Was mich wirklich stört ist, wenn Leser für dumm verkauft werden sollen. Der Autor dieses Pamphletes scheint seine Leser allesamt für vollkommen verdummte Mitmenschen zu halten. Diesen Eindruck muss man jedenfalls gewinnen, wenn man die These der krankmachenden Euromünzen liest. Diesbezüglich zu stellende Fragen wären:

  • Wie viel Metallabrieb entsteht beim Benutzen einer Euromünze?
  • Wie viel wird davon inhaliert?
  • Wer inhaliert ganze Euros?

 „…Bestimmt, denn auch ganz gewöhnliches Edelstahlgeschirr besteht zu 18 – 20 % aus diesem Metall. Durch Abrieb und Korrosion des Geschirrs (und natürlich auch durch das Münzgeld) nehmen wir alle viele tausend mal mehr von diesem Metall auf als ein Raucher durch Zigaretten, dennoch macht sich darum keiner Sorgen.“

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn dieser Herr einmal lernen würde, dass a) es einen Unterschied macht, ob ein Schadstoff oral aufgenommen oder ob er inhaliert wird und dass b) das Nickel im atomaren Gitter des Edelstahls zu einer Legierung gebunden ist und nicht ohne Weiteres freigesetzt werden kann. Des Weiteren liefert er wiederum keiner Zahlen für seine absurde These, wir würden uns durch den Gebrauch von Münzen und Edelstahlgeschirr schleichend selbst vergiften und mit Kanzerogenen belasten.

Und jetzt kommen wir langsam an den Punkt, wo sich dann ganz heftig die Fußnägel hochrollen:

„Cadmium
 
100 Nanogramm? 0,000.000.1 Gramm? Das ist alles? Das ist gar nichts! Wer ein einziges mal einen Nickel-Cadmium-Akku gekauft und dann weggeworfen hat, hat damit mehr Cadmium in die Umwelt freigesetzt als 500 starke Raucher in ihrem ganzen Leben!“
(S. 21)

Aha. Und wer atmet diesen weggeworfenen NiCd-Akku dann ein? Oder wie soll man sich diese selten dümmliche Posse vorstellen? Das Cadmium in einem NiCd-Akku ist wohlweislich hermetisch gegen die Umwelt versiegelt. Außerdem ist es chemisch im Akku gebunden. Akkumulatoren dürfen darüber hinaus nur in dafür ausgewiesenen Fachbetreiben entsorgt werden und werden nur von absoluten Vollidioten (man entschuldige diese harte Begriffswahl) in die Landschaft entsorgt. Also wird bei ordnungsgemäßer Entsorgung gar kein Cadmium in die Umwelt freigesetzt.

„Polonium 210
wird im Tabak tatsächlich angereichert, aber auch nicht mehr als zum Beispiel in Meeresfrüchten. Deshalb haben Japaner etwa genau so hohe Poloniumkonzentrationen im Körper wie Raucher, was jedoch nicht verhindert, dass sie die höchste Lebenserwartung weltweit haben. …“
 
Leider schon wieder falsch. Erstens werden Meeresfrüchte gegessen und nicht inhaliert, die Verweildauer des Po-210 im Körper ist daher wesentlich geringer als wenn es sich am Tabakrauchfeinstaub gebunden tief in der Lunge ablagert (s. u.!). Zweitens ist die angeblich hohe Lebenserwartung der Japaner primär der Tatsache geschuldet, dass die japanischen Melderegister nicht korrekt geführt werden und Verstorbene oft nicht gemeldet werden, weil Angehörige weiter die staatliche Rente beziehen wollen.
 
„…Die Inhalation von Radon und seinen radioaktiven Folgeprodukten ist eine
der wichtigsten Ursachen für Lungenkrebs.“
(S. 22)

Kleine Änderung: Die wichtigste Ursache des Bronchial-Ca. ist nach wie vor das Rauchen von Tabak. 95% aller Bronchialkarzinome werden durch Tabakrauch verursacht. Nur mal so am Rande bemerkt.

„…Einige Gebiete Deutschlands sind besonders betroffen: Im Thüringer Wald, dem Schwarzwald oder dem Erzgebirge nehmen die Menschen leicht zehn- bis hundert mal höhere Dosen aus dem Boden und den Mauern ihrer Häuser auf als anderswo. Dagegen fällt die radioaktive Belastung aus Rauch oder gar Passivrauch nur gering oder buchstäblich unmessbar ins Gewicht.“

Leider vergisst er (neben seiner üblichen Dyskalkulie und daher seiner Unfähigkeit belastbare Zahlen als Beleg für seine Thesen zu nennen) folgenden Sachverhalt :

Das Po-210 entsteht als Zerfallsprodukt von Radon und ist ein Metall. Seine physikalische Halbwertszeit (HWZ) beträgt 138 Tage, Es zerfällt unter Abgabe von energiereichen Alphateilchen zu Pb-206, einem Isotop des Blei.

Po-210 lagert sich dabei bevorzugt an Feinstaubpartikel, insbesondere an jene des Tabakrauches, an. Deshalb ist die Verweildauer des Alphastrahlers in der Lunge deutlich höher als bei Radongas, das in reiner Luft aufgenommen wird. Radon wird erst in Zusammenhang mit Feinstaub hochproblematisch, wenn dieser in der Lunge verbleibt. Deshalb ist bei rauchenden Bergleuten auch das Lungenkrebsrisiko überproportional erhöht, da sie sich einen Alphastrahler UND Feinstaub in hoher Dosis zuführen was zu einer längeren Verweildauer des Alphastrahlers im Bronchialsystem des Menschen und damit zu einem erhöhten Krebsrisiko führt.

Fazit

Man findet nun langsam die Antwort auf die Frage, warum unser Autor seinen Namen nicht nennen will. Kommen wir also zum Abschluss der Besprechung dieses Pro-Nikotinpamphletes. Wer einen derartigen unwissenschaftlichen Blödsinn veröffentlicht, tut gut daran, seinen Namen geheim zu halten. Denn dieser Autor wäre in Kürze vollkommen erledigt. Der Herr könnte wohl höchstens noch in der städt. Müllsortieranlage anfangen. Dieses hier vom sog. „Netzwerk Rauchen“ vorgelegte Pamphlet würde ich, so es von einem Schüler käme, diesem mit einer Bewertung „ungenügend“ um die Ohren hauen. und ihm den Rat geben, sich anstatt der Naturwissenschaft im weiteren Leben doch besser dem Verfassen von Science-Fiction-Literatur zu widmen.

Halten wir fest: Tabakrauch ist eine Substanz die beim aktiven Raucher nachgewiesenermaßen schwerste Gesundheitsschäden wie z. B. Lungenemphysem, Herzkranzgefäßleiden und vielfältige Formen von Krebs erzeugt. Es ist vollkommen unplausibel, dass diese Subtanz dem aktiven Raucher zwar die genannten gesundheitlichen Schäden mit einem sehr hohen Risiko früh zu sterben zuzufügen vermag, beim Passivraucher dagegen vollkommen harmlos sein soll. Diese Annahme widerspricht u. a. alleine der für den Tabkrauch nachgewiesenen Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen Exposition und dem Risiko für bestimmte mit dem Tabakrauchen assoziierte Krankheiten. Besonders für die kanzerogene Wirkung des Tabakrauches gibt es keinen Schwellenwert unterhalb dessen eine Exposition bei allen exponierten Personen folgenlos wäre.

 

Peter Rachow (Mai 2010)

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