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Die Lungenkrebsindustrie heult mal wieder

Der „Deutsche Zigarettenverband“ hat sich mal wieder zu Wort gemeldet. Das Sprachrohr der deutschen Produzenten und Vertreiber von Lungenkrebs, Herzinfarkt und Gefäßverschluss ist, man ahnt es, mal wieder am Jammern. Sujet des Missfallens ist diesmal die Tabakproduktrichtlinie der EU (TPD), welche für die Branche, die Coolness und Lebensgefühl anpreist aber Krankheit und Tod verkauft, eher weniger wünschenswerte Regelungen enthält. So müssen demnach große bildliche Warnhinweise auf den Packungen angebracht werden, welche in drastischen Bildern die oftmals entsetzlichen Folgen des „eigenverantwortlichen Genusses“ zeigen. Zusätzlich kommt ein Verbot von Zusatzstoffen, wie z. B. Menthol.

Für die hiesige Tabakwirtschaft scheinen die schlimmsten Befürchtungen einzutreten. Die kürzlich veröffentlichten Regelungsvorschläge des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft zur Umsetzung der von der EU beschlossenen Tabakproduktrichtlinie in nationales Recht sehen erhebliche Verschärfungen für die gesamte Branche vor. Die Bundesregierung will weit über die EU-Richtlinie hinausgehen und plant entgegen dem Koalitionsvertrag keine 1:1-Umsetzung.

(Quelle)

Also, das ich das noch erleben darf! (TM). Sollte sich die Bundesregierung, die jahrzehntelang zuverlässig nach der Pfeife der Tabakindustrie getanzt hat, nun endlich vernünftig verhalten und ein Produkt, das weit über 100.000 Menschen jedes Jahr in Deutschland zuverlässig umbringt, regulieren wollen? Halleluja, das wurde aber auch Zeit!

„Pretty not amused“ sind hingegen die Dealer von Krankheit, Siechtum und Tod ob der neuen Vorschriften:

Statt der von der EU vorgesehenen Produktregulierung droht eine tiefgreifende Marktregulierung. Die bisherigen Vorschläge sind daher auf harsche Kritik von Mittelstand, Industrie und Gewerkschaftsvertretern gestoßen.

Na ja, da wollen wir doch mal sachlich bleiben. Vom deutschen Mittelstand und der Industrie hat nur der kleinste Teil Bezug zum Herstellen und Dealen von Tabakdrogen. Die meisten deutschen Unternehmen verdienen ihr Geld wohl auf anständige Weise. Sehen wir mal von der Waffenindustrie ab. Aber deren Produkte töten auch nicht den Käufer, sondern diejenigen, die das Pech haben, auf der falschen Seite der Mündung zu stehen.

Eine Umstellung der Produktionsanlagen zum 20. Mai 2016 ist mittlerweile faktisch unmöglich. Die notwendigen gesetzeskonformen Umstellungen in der Produktion und im Handel geschehen nicht von heute auf morgen.

Tja, Leute, da habt Ihr wohl alle ein wenig gepennt, oder? Beziehungsweise Ihr habt Euch wie immer darauf verlassen, dass es doch nicht so schlimm kommt, weil man vielleicht doch noch hoffte, den einen anderen Politiker „überzeugen“ zu können, auf Eure krude Argumentation einzugehen. Da haben sich die Tabakstände und das großzügige Verteilen von allerlei Geschenken z. B. bei den Parteitagen doch nicht so gelohnt, oder? Dass die TPD kommt und wie sie aussieht, das ist übrigens schon ein paar Jahre bekannt. Aber wenn Ihr von der Drogenindustrie eben davon ausgegangen seid, dass Euch die Bundesregierung weiter die Gesetze „nach Gusto“ macht und das alles so weiter läuft wie bisher, so ist das doch wohl alleine Eurer Problem, oder? „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“  Wer hat’s gesagt?

Für die drucktechnische Umsetzung für Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen werden mindestens 15 Monate, für die Umstellung der Verpackungsmaschinerie für Tabak zum Selbstdrehen mindestens 20 Monate benötigt. Was für andere Branchen undenkbar wäre, ist für die heimische Tabakindustrie ein absurdes und fatales Szenario: Stillstand in den Produktionsstandorten wegen fehlender Rechtssicherheit und mangelnder Übergangsfristen.

Ihr wollt jetzt aber nicht erzählen, dass es ein ungeheuer Stress ist, die Schockbildchen mit einem Grafikprogramm in eine neue Druckvorlage einzubauen und diese auf den Druckmaschinen zu installieren? Kleiner Tipp: Jede Tageszeitung schafft es doch tatsächlich, täglich neue Vorlagen in die Maschinen zu bringen und die Zeitung pünktlich um 4:00 Uhr auszuliefern. Fragt doch mal in den Verlagen nach, wie die das hinbekommen!

Im nationalen Alleingang sollen Zigaretten mit Mentholgeschmack nicht erst ab 2020 sondern bereits ab Mai 2016 verboten werden. Während Polen sogar gegen das Mentholverbot vor dem Europäischen Gerichtshof klagt, will man in Deutschland auf die vierjährige Übergangsfrist verzichten.

Jetzt mal ernsthaft. Wer raucht heute noch Mentholzigaretten? Mit dem vor kurzer Zeit eingetretenen Tod des größten deutsche Abnehmers von Mentholzigaretten dürfte der Bedarf an diesen Produkten quasi zusammengebrochen sein.

Darüber hinaus sind zahlreiche Verbote bestimmter Inhaltsstoffe wissenschaftlich nicht nachvollziehbar und willkürlich. Innerhalb kürzester Zeit sollen Rezepturen eines Großteils der Tabakprodukte umgestellt werden. Dies wirkt der ohnehin schier unmöglichen fristgerechten Produktionsumstellung zusätzlich entgegen. Hieß es im Thesenpapier der CDU zur Europawahl noch „Vielfalt statt Einheitsbrei…“ droht dem Mittelstand nun der Verlust seiner Produktvielfalt. Tür und Tor für Einheitsprodukte sind geöffnet.

Lieber DZV, was genau ist Eurer Problem? Der Krebs, der aus Euren Pordukten entsteht, hat auch keine große Vielfalt. Da gibt es zwei große Gruppen von Lungenkrebs (kleinzellig und nicht-kleinzellig). Die nicht-kleinzellige Gruppe teilt sich nochmal in ein paar andere zelluläre Typen auf und damit hat es sich. Nimmt man noch die anderen Krebsarten hinzu, die der Raucher sonst noch gerne bekommt (Blasen-, Bauchspeicheldrüsen, Magen- oder Nierenkrebs, um nur mal die wichtigsten zu nennen) wird die Vielfalt auch nicht wesentlich größer. Am Ende stehen nämlich meistens der Tod und der ist ziemlich einheitlich.

Getrieben vom Gesundheitswahn will die Politik endgültig ein umfassendes Werbeverbot für alle Tabakprodukte.

Es ist doch regelmäßig sehr erheiternd, wenn sich ein Verband, der seine Konsumenten mit seinen Produkten krank macht und tötet, über den „Gesundheitswahn“ zu echauffieren anschickt. Die meisten der Konsumenten der Produkte des DZV, die es bereits „erwischt“ hat, denken nämlich über das Thema Gesundheit plötzlich ganz anders.

Plakat- und Kinowerbung sowie die kostenlose Abgabe von Produkten an Erwachsene als einzig noch verbliebene Werbeformen wären damit nicht mehr zulässig.

Und das ist auch verdammt gut so. Ganz abgesehen davon versucht man eben nicht den älteren erwachsenen Raucher anzufixen, der schon seit mehreren Jahren auf Droge ist, sondern man treibt sich z. B. auf Musikfestivals herum um jüngere Konsumenten zur Droge zu bringen. Von denen übrigens nur ein Teil wirklich über 18 Jahre alt ist. Die Tabakdrogenverteiler fragen da auch nicht nach dem Alter. Da werden alle jungen Leute angesprochen, Hauptsache man bringt sie ganz schnell dazu, sich die rauchbare Killerdroge regelmäßig zuzuführen. Das bringt Profit und schließlich sterben Euch, lieber DZV, jeden Tag in Deutschland 300 bis 400 Eurer Kunden weg. Schlicht und einfach deshalb, weil Eure Produkte sie umgebracht haben. Da muss Nachwuchs her, was sicher eine keine einfache Aufgabe ist. Denn bei den jungen Menschen (zumindest bei denen, die mehr im Kopf haben als nur Stroh) ist das Rauchen zunehmend „megaout“ und absolut „uncool“. Ehrlich, ich möchte kein Marketingmann sein. Schon gar nicht für Euch.

Grundregeln der sozialen Marktwirtschaft werden bewusst verletzt. Hersteller legaler Produkte könnten hierzulande nicht mehr mit ihren Kunden kommunizieren und für ein an Erwachsene frei verkäufliches Produkt werben.

Ach Gottchen, jetzt aber mal eine Runde Mitleid für den DZV! Die dürfen jetzt echt nicht mehr mit den Kunden „kommunizieren“? Wie böse! Ich hätte jetzt nur noch erwartet, dass derlei als Einschränkung des Rechtes auf freie Meinungsäußerung nach Art. 5 GG deklariert wird und man ob dieses massiven Grundrechtseingriffes ohne Umschweife zum Verfassungsgericht rennt.

Sehen wir es doch mal nüchtern. Das, was der DZV als „Kommunikation“ bezeichnet, ist das doch nur das bewusste Belügen und Täuschen des Konsumenten um des reinen skrupellosen Profites willen. „Rauch die Marke X, dann bis Du cool!“, „Rauch Marke Y, dann kommst Du bei Frauen an!“, „Wer Marke Z raucht, ist lässig, locker und unkonvetionell!“. Es sei denn man ist ein „Maybe“ oder heißt „Alex“. Oder beides.

Diese Art der „Kommunikation“, die bewusst ausblendet, dass Rauchen weder cool noch lässig sondern einfach nur eklig und letztlich tödlich ist, ist keine „Kommunikation“ sondern irreführende Werbung. Hat sich schon mal jemand gefragt, warum die Typen auf den Zigarettenplakaten so gar keine Ähnlichkeit haben mit den Bildern jener lebenden Leichen, die man z. B. in den einschlägigen facebook-Gruppen der Tabakabhängigen sehen kann?

Das Verbot von Plakat- und Kinowerbung sowie die versteckten zusätzlichen Kommunikationsverbote wirken auch wirtschaftsfeindlich: Der Fachverband Außenwerbung e.V. beziffert den durch ein derartiges Werbeverbot für Tabakprodukte eintretenden unmittelbaren Schaden auf ca. 250 Mio. Euro pro Jahr.

Und hier das unausgesprochene Standardargument, wenn dem Lobbyisten gar nichts mehr einfällt. Es heißt schlicht und einfach „Arbeitsplätze“.

Aus Sicht der deutschen Tabakwirtschaft sind die Pläne der Bundesregierung eine unverhältnismäßige und unnötige Belastung für Industrie, Handel und auch den Staat. Eine ganze Branche fordert daher die zwingend nötige 1:1-Umsetzung der EU-Richtlinie und eine Fristenverlängerung.

Tja, dumm gelaufen für Euch,lieber DZV, oder? So, und jetzt geben wir alle dem DZV noch eine Runde Mitleid mit auf den Weg und dann ist aber auch Schluss:

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„Bürger für Freiheit und Toleranz“: Papier ist geduldig, Webseiten auch.

Es gibt Neuigkeiten von den Tabaklobbyisten des Vereins „Bürger für Freiheit und Toleranz“, einem Splittergrüppchen, das vor Jahren aus der erfolglosen Kampagne „Bayern sagt NEIN!“ gegen das kompromisslose Rauchverbot in Bayern hervorgegangen ist. Auf den Webseiten der Truppe um den Erfolgsverleger Bodo Meinsen aus Kirchheim bei München, der vor einigen Jahren den deutschen Penthouse-Verlag erfolgreich in die Insolvenz geführt hatte, ist ein Pamphlet erschienen, das beim Leser ein wohliges Gruseln zu erzeugen in der Lage ist. Unter dem Titel „Maas(ist)voll: Schöner Leben = Hässliches löschen!“ schwurbelt ein Matthias Heitmann, der als „freier Publizist und Redakteur der BFT Bürgerzeitung“ vorgestellt wird und der auch im Vorstand der Tabaklobbyisten um Meinsen tätig ist, in einer grausigen Kindersprache einen Text herunter, der sich dem Leser erst beim zweiten oder dritten Lesen vollständig erschließt. Ich zitiere mal die Kernsätze (wenn man in dem heillosen Geschwätz des Herrn Heitmann überhaupt einen Kern zu erkennen vermag):

Matthias Heitmann („bft e. v.“): „Ach so, so etwas Ähnliches plant Ihr in Berlin gerade? Is ja en Ding, das habe ich gar nicht gewusst! Der Bundesjustizminister Heiko Maas hat Facebook in einem Brief dazu aufgefordert, böse Nachrichten schneller zu löschen, am besten, bevor man sie liest?

[…]

Ach so, die Fotos ertrunkener Flüchtlinge sollen im Facebook drinnen bleiben, nur die Demonstrantenfotos sollen raus? Also, das finde ich aber nicht so konsequent!“

[…]

Manchmal, ich gebe es zu, stört mich sogar die Nase meines Nachbarn, und ich wünschte, ich könnte da einfach auf so einen Knopf drücken, und weg wäre sie. Andererseits wäre ich aber natürlich dagegen, ihm auch so einen Knopf zu geben. Der hat einfach gar keinen Geschmack! Am besten, Sie, Frau Merkel und Herr Maas, behalten diese Knöpfe alle für sich und rücken sie nicht heraus. Den Leuten ist ja nicht zu trauen. Was damit für ein Schindluder angestellt werden könnte, so mit Zensur und so.

Also fassen wir das Geschwurbel des Herrn Heitmann, der auf den Vorstandseiten des „bft e. V.“ klassisch in Denkerpose abgelichtet ist (Link), mal zusammen: Herr Heitmann wendet sich gegen eine mögliche Zensur von Netzinhalten. Punkt. Dabei reicht es aber nicht einmal ansatzweise für eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Forderungen von Justizminster Maas. Jener fordert eben nicht, wie Heitmann behauptet, eine Löschung „böser Dinge“ sondern Maas hat sich dafür ausgesprochen, fremdenfeindliche, rassistische und volksverhetzende Kommentare insbesondere auf der Plattform facebook schneller durch den Betreiber löschen zu lassen. Eine durchaus legitime Forderung, wenn auch im Detail abgewogen werden müsste zwischen zulässiger Meinungsäußerung und strafrechtlich relevanten Inhalten. Insofern kommt das, was Heitmann da verzapft, einem intellektuellen Offenbarungseid gleich. Ein dummes Geschwätz auf niedrigstem Niveau, denn es reicht nicht einmal zu einer ansatzweisen Reflexion der Forderungen von Maas.OK, lasen wir das dumme Teletubbieniveau des Herrn Heitmann mal beiseite. Ich hätte von einem bft-Mitglied aber auch nicht erwartet, dass hier mehr kommt als das übliche „Zensur ist doof!“.

Apropos „Zensur“: Denn nun, liebe Leserinnen und Leser, ahnen Sie was jetzt kommt. Meine wie immer saudämliche Nachfrage à la „wie hält es eigentlich ‚Bürger für Freiheit und Toleranz‘ mit der Meinungsfreiheit?“, um mal das Wort Zensur zu vermeiden.

OK, dass der Vorsitzenden dieses selbsternannten Toleranzgrüppchens, also der Herr Bodo Meinsen aus Kirchheim bei München, der nebenbei auch der notorisch toleranten und leider auch notorisch erfolglosen FDP angehört, bereits vor Jahren versucht hatte, mich meinungsmäßig auf Linie zu bringen, indem er eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen mich bei meinem Dienstherrn einreichte, ist mittlerweile eine olle Kamelle. Sie soll daher nur am Rande erwähnt werden. Und dass auf der facebook-Präsenz der „Bürger für Freiheit und Toleranz“ zum „Schutz der Leser“ unliebsame Personen gesperrt werden (so der Schriftführer des „Toleranzvereins“ Roland Dittmar)

Roland Dittmar vom Verein

Roland Dittmar vom Verein „Bürger für Freiheit und Toleranz e. V.“ ist für Zensur

ist nun auch nicht ungewöhnlich. Man muss schließlich, wie bereits erwähnt, die unmündigen User schützen und serviert ihnen daher den Meinungsbrei, den „bft e. V.“ gerne hat. Denn die Doofies, die bei „bft e. V.“ auf facebook reinschauen, brauchen offenbar geistige Führung. Kann man ja verstehen. Ist ja alles sehr „tolerant“ dort.

Also habe ich mir mal gedacht, mache ich doch einfach mal den Toleranztest mit dem Vereinchen „Bürger für Freiheit und Toleranz“ und habe einen kleinen Leserbrief unter den Artikel des Herrn Heitmann geschrieben. Das war vor einigen Tagen.

Peter Rachow: „Na endlich, bei bft gibt es mal wieder etwas zu lesen. Und zwar zielgruppenrecht gleich in einer entsetzlichen Stakkatosprache abgefasst.

Beim Durchlesen des belanglosen Gewäschs des Herrn Heitmann hatte ich wirkliche Probleme, überhaupt mal darauf zu kommen, was der denn eigentlich sagen will. Die hier verwendete Teletubbiediktion überfordert mich dann doch etwas.

Ach so, Herr Heitmann ist gegen Zensur. Verstehe. Dies auf einer Plattform zu schreiben, deren „freie und tolerante“ Macher gegen unliebsame Meinungen z. B. auf ihrem facebook-Kanal regelmäßig mit Sperrung des betreffenden Autors vorgehen oder die schon mal bei der Schulaufsichtsbehörde des Autoren eine Dienstaufsichtsbeschwerde mit dem Ziel der behördlichen Maßregeleung des unliebsamen Schreibers abladen, kommt derlei besonders gut.

„bft“ – Ein Tabaklobbygrüppchen das auf „Freiheit und Toleranz“ macht. Eine Groteske wie sie nur Herr Meinsen und seine kleine Schar von Nikotinfreunden einfallen kann.“

Ich gebe zu, der Text ist nicht nett. Aber er enthält nur erweislich wahre Tatsachenbehauptungen und rechtlich zulässige Meinungsäußerungen. Eigentlich hätte man den ja veröffentlichen müssen. Besonders, wenn man so „gegen Zensur“ ist wie „Bürger für Freiheit und Toleranz e. V.“. Aber da hat der „tolerante“ Verein „Bürger für Freiheit und Tolerant e. VB.“ wohl ein kleines Problemchen:

„bft e. V.“ – Keine Toleranz gegenüber lästigen Meinungen!

Aha, wir lernen: „Toleranz“ ist dann gut, wenn es für das Rauchen, für Tabakdrogenkonsum und gegen Rauchverbote ist. Beim Rauchen ist man nämlich sehr „tolerant“ Bei unliebsamen Meinungsäußerungen hat die Meinsentruppe dagegen aber immer noch Schwierigkeiten, hier ihren Toleranzanspruch zu erfüllen. Aber ehrlich gesagt, wundert mich das überhaupt nicht. Ich kenne den Verein nämlich schon länger.

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Mal wieder: Bodo Meinsen und die ‚Bürger für Freiheit und Toleranz‘

Auf dem Blog von Peter Rachow ist ein Artikel erschienen, der sich mit den neuen Machenschaften der Tabaklobby in Gestalt des Herrn Meinsen beschäftigt:

https://peterrachow.wordpress.com/category/burger-fur-freiheit-und-toleranz/

Unbedingt ansehen!

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Bodo Meinsen und „bft e. V.“ – Vom Tabaklobbyismus zur Friedensbewegung

Bodo Meinsen und seiner tabaklobbyistischen Splittergruppe „bft e. V.“ ist nichts peinlich. Um vom Schmuddelimage des Tabak-, Alkohol- und Spielautomatenlobbyisten (Link) wegzukommen, ist Meinsen jedes, aber auch wirklich JEDES,  Thema recht. Jetzt hat der Mann aus Kirchheim bei München nach dem angeblichen und kürzlich auf seiner Webseite thematisierten  „Neuen Judenhass“ ein weiteres und ganz großes Fass aufgemacht. Meinsen, dessen Grüppchen „bft e. V.“ ursprünglich aus der Kampagne „Bayern sagt NEIN (zum Nichtraucherschutz)“ hervorgangen ist, wird nun Teil der Friedensbewegung. Man fasst es nicht:

BFT – Bürger für Freiheit und Toleranz e.V. Vielleicht wurde mit unserem Aufruf (Thread vom 8.8.2014) ein kleiner Anfang gemacht? BFT e.V. Bürger für Freiheit und Toleranz versucht, dieses Netzwerk zu einer Friedenskampagne per Shitstorm gegen die alarmierenden Kriegszustände zu animieren. Klingt vielleicht naiv, aber eventuell doch machbar? Wehrt Euch gegen die initiierten Kriege! Auch wenn es noch so aussichtslos erscheint, macht Euch zu einer Macht. Nicht schweigen ist das Rezept! (Quelle)

Es ist wirklich unglaublich, mit welch gespielter Naivität ein Tabaklobbyist wie Meinsen vorgeht, um sein Publikum nach allen Regeln der Kunst, man verzeihe mir den Ausdruck, gnadenlos zu verarschen. Da fängt eine kleine Splittergruppe von Tabaklobbyisten an, plötzlich einen auf „friedensbewegt“ zu machen, nur um ein weiteres Thema zu besetzen und sich vom Image des Unterstützers der Tabakdrogenlobby zu befreien.

Einer Tabakdrogenlobby, die übrigens bei „bft e. V.“ sehr präsent ist. Von den 8 Organisationen, die „bft e. V.“ nach eigener Angabe als „Partner“ unterstützen, sind nämlich alleine 6 den Händlern und Promotern von tabakbedingter Krankheit und Rauchertod zuzuordnen: „VEBWK“,  „Bayern Dialog“, „BDTA“ „Ermuri Genuss Company“, „MUT“, „Britsh American Tobacco“. (Link).

Und wenn Herr Meinsen schon etwas für eine gerechtere Welt tun will, warum kehrt er dann nicht vor der eigenen Haustür? Der Tabakanbau, der heute fast ausschließlich in der sog. Dritten Welt stattfindet, führt dort nämlich zu massiven Umweltschäden und sozialen Verwerfungen u. a. durch Ausbeutung der Landbevölkerung:

  • Bodenverschlechterung durch massiven Einsatz von Düngern und Pestiziden bei Tabakmonokulturen,
  • hochgradig gesundheitsgefährdende Arbeitsbedigungen für die Tabakarbeiter durch massiven Einsatz von Pestiziden und durch Kontakt mit der Tabakpflanze und (Inkorporation des Nervengifts Nikotin besonders bei Kindern, die auf den Feldern mitarbeiten),
  • Rodung von Waldgebieten um neue Anbauflächen zu erschließen und Brennstoff für die Tabaktrocknung zu gewinnen,
  • Knebelverträge für Tabakbauern durch Saatgutmonopolisten und Tabakonzerne,
  • usw. usw.

Da wäre doch ein weites Feld für das weltpolitische Engagement von Meinsen und seiner Splittertruppe gefunden. PEACE, Bodo!

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„Chemie statt Mythen“ wie das „Netzwerk Rauchen“ Menschen verdummen will – von Peter Rachow

Das sog. „Netzwerk Rauchen“ versucht sich immer wieder an der systematischen Desinformation der Menschen um zu zeigen, dass Passivrauchexposition angeblich vollkommen harmlos sei und der Nichtraucherschutz daher abgeschafft gehöre. Die entsprechenden Pamphlete dieser ultraaggressiven Nikotinikerorganisation strotzen dabei von Logik-, Rechen- und anderen Fehlern und sind daher in der Regel nicht von einem namentlich genannten Autor verfasst. Denn wer will schon in der Öffentlichkeit als Verfasser derartig im besten Falle dürftiger aber in aller Regel vollkommen falscher Veröffentlichungen erkennbar sein?

Das hier vorliegende Papier „Chemie statt Mythen“ soll seitens der Ultraraucher belegen, dass die Schadstoffe des Passivrauchs im Vergleich zu anderen natürlichen oder anthropogenen Umweltbelastungen vernachlässigbar seien. Es werden seitens der Nikotinfanatiker dabei Darstellungen abgegeben und Aussagen gemacht, die entweder grob falsch oder zumindest so stark verzerrt sind dass sie in keinem Falle einem auch nur minimalen wissenschaftlichen Standard entsprechen. So werden z. B. häufig Dinge miteinander verglichen, die überhaupt keinen Vergleich zulassen, Zusammenhänge werden aufgebaut wo keine sind, Relativierungen realer rauchbedingter Risiken werden versucht, indem man kleine Alltagsrisiken aufbläht und in Relation zum angeblich harmlosen Tabakrauch setzt etc. etc.

Dies alles dient ausschließlich der gezielten Verdummung und Desinformation der Leser. Welche Wege dabei beschritten und welche Methoden angewandt werden, soll nachfolgend aufgezeigt werden. Wir wollen den Text „Chemie statt Mythen“ daher auszugsweise analysieren und die haarsträubendsten Fehler herausarbeiten, um den groben Unsinn des „Netzwerk Rauchen“ als das zu entlarven, was er substanziell ist: Übelste Propaganda im Namen des möglichst ungehinderten und rücksichtslosen Nikotinkonsums.

Gehen wir nun also in medias res: Haarsträubend an diesem Text sind viele Textstellen. Wir wollen sie nachfolgend zumindest exemplarisch besprechen.

Die Arbeit dieses Autors, der sich nicht traut, mit seinem Namen hinter seiner „Arbeit“ zu stehen, beginnt auf S. 5 mit einem Vergleich von Zigarettenrauch und Autoabgasen. Ein bei Extremrauchern gerne bemühter Vergleich. Schon dieser ist allerdings per se haarsträubend.

Die Edukte (Ausgangsstoffe) beider Prozesse (dem Rauchen von Tabak auf der einen und dem Verbrennen von Kraftstoff in einem Otto- oder Dieselmotor auf der anderen Seite) sind völlig unterschiedlicher Natur. Und damit sind auch die Produkte sowie die thermodynamischen und chemischen Gegebenheiten beim Verbrennungsprozess selbst vollständig unterschiedlich und nicht vergleichbar. Und dies sowohl was die qualitative als auch die quantitative Zusammensetzung der Edukte als auch der Produkte betrifft. Schon alleine der Versuch, einen derart abstrusen Zusammenhang herzustellen, lässt erhebliche Zweifel daran aufkommen, dass der unbekannte Autor, wie er vorgibt, tatsächlich ein Chemiestudium absolviert haben kann.

Vor allem anderen sind die Verbrennungsbedingungen bei beiden Prozessen nicht vergleichbar. Im Ottomotor findet die Verbrennung des zugeführten Kraftstoffes optimiert und unter ständiger Regelung des Kraftstoff-Luft-Gemisches statt  Wir nennen hier beispielhaft die Lambdasonde und den Luftmassenmesser als Sensoren, die Motorelektronik und -management als Stellglied des entsprechenden Regelkreises beim Benzinmotor. Beim modernen Dieselmotor haben wir entsprechende Systeme in Gestalt eines optimierten Dieseleinspritzsystems. Der Stoff, der im Motor verbrannt wird, ist dabei ein genau definiertes Gemisch aus flüssigen Kohlenwasserstoff-Verbindungen nebst Additiven für Klopffestigkeit, Motorschmierung etc.

Als Resultat dieses optimierten und stöchiometrisch korrekten Verbrennungsprozesses bleiben nach katalytischer Reinigung i. W. CO2 und H2O übrig. Feinstaubpartikel emmittiert ein Ottomotor kaum, ein Dieselmotor in Abhängigkeit von der Einspritztechnologie. Ältere Verteilereinspritzpumpenmotoren (VEP) weisen eine höhere Feinstaubemmission auf als Motoren mit Pumpe-Düse-Technik (PD). Am besten schneidet diesbezüglich jedoch der Common-Rail-Diesel ab, eine Höchstdruckeinspritztechnik, bei der aus einer zentralen Hochdruckpumpe unter Zwischenschaltung eines Puffersystems piezo-elektrische Einspritzventile gespeist werden.

Moderne Diesel-Fahrzeuge sind zusätzlich mit einem Dieselpartikelfilter (DPF) ausgrüstet und erreichen höchste Standards was die Abgasqualität betrifft.

Bei der Zigarette sind es dagegen hochkomplexe organische Verbindungen, die bei einer Temperatur zw. 500°C und 900°C unter vollkommen undefinierten Randbedingungen (Sauerstoffzufuhr, Temperatur in der Glutzone, mitverbrennende Zusatzstoffe im Tabak, Rauchverhalten des Konsumenten) verschwelt werden. Das entstehende Schadstoffgemisch differiert daher in Quantität und Qualität erheblich.

Außerdem werden Kfz in aller Regel nicht in geschlossenen Räumen betrieben, so dass sich hier jeder Vergleich bei vernünftiger Betrachtung von vorneherein ausschließt.

Auch beim Thema „CO“ und „CO2“ auf der Seite zeigt der Autor, dass er weder von Chemie noch von Medizin etwas versteht. Er schreibt

„Da die gewöhnliche Außenluft schon etwa 0,3 Vol % CO2 enthält,…“
(S. 7)

Falsch. Setzen! Sechs!. Der CO2-Anteil in der Luft beträgt 0,035%! Aber was macht eine Zehnerpotenz denn schon aus?

„Kohlendioxid
 
Der Stoff ist an sich irrelevant für die Gesundheit. Seine Konzentration kann allerdings, wie bereits gezeigt, als Marker für die allgemeine Raumluftqualität genutzt werden.“
(S. 10)

Wieder die vollkommene Unkenntnis des anonymen Autors: Ein Überhang an CO2 führt beim Menschen zu einer sog. „Hyperkapnie“. Bei leichter Verlaufsform aufgrund niedriger CO2-Konzentration sind Kopfschmerzen eine häufig beobachtete Symptomatik. Bei schwerer Verlaufsform tritt dann eine Tachykardie (Herzrasen) nebst einer Hypertonie (Bluthochdruck) auf. Für Menschen mit einer bestehenden Herzinsuffizienz keine unproblematische Situation.

Ebenso ohne jede Ahnung der Materie geht es beim nächsten Thema weiter:

„Kohlenmonoxid
 
Kohlenmonoxid wird vor allem durch Automobilabgase (70 % der Gesamtmenge) und Feuerungsanlagen erzeugt. In Städten können in der Außenluft bis 20 mg/m3 gemessen werden. In geringen Mengen entsteht CO auch als normales Stoffwechselprodukt. Jeder Mensch hat deshalb merkliche Mengen davon im Blut. Zigarettenabgase sind im Vergleich dazu für einen Nichtraucher fast bedeutungslos.“
(S. 10)

Leider nennt der unbekannte Autor keine Zahl, wie stark die Belastung eines verqualmtem Lokals mit CO nach welcher Zeit ist. Seine Aussage ist daher unbelegt und damit völlig wertlos. Auch die Aussage, dass jeder Mensch merkliche Mengen im Blut habe ist so nicht korrekt. Der Wert des im Blut durch CO blockierten Hämoglobin (CO-Hämoglobin = Carboxyhämoglobin = COHb) liegt beim Nichtraucher im Bereich von 0,4-1,5% Anteil am Gesamt-Hb. Beim Raucher liegt dieser Wert zwischen 3 und 15% also um ca. den Faktor 10 höher.

Eine Untersuchung zur Aufnahme u. a. von CO an Nichtrauchern in einer Rauchumgebung ergab eine signifikante Erhöhung des Spiegels an ausgeatmetem CO und damit ein klares Indiz für eine erheblich gesteigerte CO-Aufnahme durch Passivrauchexposition. Link.

Eine andere Studie ergab eine Erhöhung des COHb um 1% wenn Versuchpersonen sich in einem mit 80 Zigaretten und 2 Zigarren vollgeräucherten Raum 78 min. aufhielten. Link. Bei 3% COHb beginnt bereits für disponierte Personen der Bereich der Gefährdung z. B. durch Angina pectoris bei Herzkranken. Dieser Wert kann also unter bestimmten Umständen in einem verrauchten Lokal wo an einem Abend wesentlich mehr Zigaretten abgebrannt werden, leicht erreicht bzw. überschritten werden.

Und jetzt wird es wirklich lächerlich im Text unsere anonymen „Chemikers“:

„Acrolein

Es entsteht hauptsächlich beim Erhitzen von Speisefett, vor allem dann, wenn das Fett überhitzt wird und ‚brenzlig’ riecht. … Die selben Rauchverbotsbefürworter, die, angeblich aus Sorge für die Gesundheit der Kellner, kein einziges Tabakwölkchen im Lokal dulden wollen, finden nicht das geringste dabei, ein gebratenes Steak zu ordern und damit den Koch am Herd bei der Zubereitung diesem und anderen gefährlichen Schadstoffen auszusetzen.“
(S. 15)

Es scheint bei diesen Herrschaften durchaus üblich zu sein, Speisen dergestalt zuzubereiten, dass das verwendete Bratfett auf Temperaturen >200°C erhitzt wird. Dabei kommt es zur sogenannten Pyrolyse, d. h. das Fett wird durch hohe Temperatur in kleinere Moleküle aufgespaltet und neue Verbindungen entstehen.

Die nächste Frage, die zu stellen wäre, ist jene, welche Belege und Fakten der unbekannte Autor für seine abstruse These hat, dass sich Rauchgegner gerne mal ein verbranntes und verkohltes Steak gönnen.

„…Tatsächlich können in Gastronomie-Küchen leicht Kanzerogenwerte gemessen werden, welche die Konzentration dieser Stoffe im Kneipenrauch um ein vielfaches überschreiten – das gilt nicht nur für Acrolein, sondern auch für Nitrosamine und Benzo(a)pyren!“

Wie üblich bleibt dieses auch ohne Beleg, keine Zahlen, keine Verweise, nichts. „Mythen statt Wissen“ möchte man sagen.

„Benzol
Die Verbreitung dieser Substanz ist tatsächlich ein Skandal!
Aber nicht die Raucher tragen Schuld, sondern der Verkehr:“
(S. 16)

Und der Straßenverkehr, sowie Schiffe oder Flugzeuge nutzen geschlossene Räume?

 „…
Damit das Benzin ein paar Cent billiger bleibt, wird die Luft, die wir alle atmen, in unverantwortlicher Weise unnötig mit einem gefährlichen Kanzerogen belastet!“

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn dieser Autor einfach einmal lernen würde, dass es einen gewichtigen Unterschied macht, ob ein Schadstoff in der Raumluft angereichert oder in der Umgebungsluft außerhalb geschlossener Umgebungen sehr schnell durch Thermik und Luftströmungen verdünnt wird.

„Ein Raucher auf dem Land hat weniger Benzol im Blut als ein Nichtraucher in der Stadt!“.

Dies als Grund dafür darzustellen, die Benzolproblematik sei zu vernachlässigen zeugt von einer erheblichen nikotininduzierten cerebralen Dysfunktion. Aber auch dies ist einen häufig verwendete Vorgehensweise der Pseudowissenschaftler des sog. „Netzwerk Rauchen“: Ablenkungsversuche durch Relativieren sind das Allheilmittel dieser Klientel.

Abgesehen davon wurde der Benzolanteil im Benzin in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abgesenkt und eine signifikante Gesundheitsgefahr beim Tanken dadurch verinngert. Außerdem sorgen obligate Rückführungsysteme seit vielen Jahren dafür, dass beim Tanken von Vergaserkraftstoff aus dem Tank während des Tankvorgangs keine Benzindämpfe mehr austreten.

„Benzo[a]pyren
entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von organischen Stoffen und ist infolge dessen weit verbreitet. Beim Holzkohlegrill liegen die Benzo-a-pyrenwerte mit ca. 50µg/kg (Was 625 Zigaretten oder 6 Jahren permanenter Passivrauchexposition entspricht!) höher als beim Grillen mit Infrarot, bei letzterem liegen die Werte bei ca. 0,2-8µg/kg gegrilltem Fleisch. (Was 2 bis 100 Zigaretten oder 16 Stunden bis 11 Monaten permanenter Passivrauchexposition entspricht!)“
(S. 19)

Hier werden wieder in vollkommen untauglicher Weise Expositionsdaten miteinander verglichen (so sie überhaupt stimmen) und Zahlen munter durcheinander gewürfelt, dass einem Hören und Sehen vergehen können. Das alles dann aber ohne eine nähere quantitative Aussage zu machen unter welchen Randbedingungen diese Exposition überhaupt zu Stande kommt. Und welche Mengen nimmt ein Nichtraucher, der nicht täglich erhebliche Mengen an Grillgut verzehrt, eigentlich genau auf? Und wer grillt schon mit einem Holzkohlengrill im Innenraum?

„Nickel
 
…wird als Kanzerogen genannt, also als ein Stoff, ‚für den keine Wirkungsschwellen als Dosismaß definiert werden, unterhalb derer keine Gesundheitsgefährdung zu erwarten wäre. …Somit können auch kleinste Belastungen mit den … Kanzerogenen zur Entwicklung von Tumoren führen.’
 
Das ist ja grässlich, vor allem für die Europäische Zentralbank – die hat nämlich Milliarden von Euromünzen in Umlauf gebracht die überwiegend aus Nickel sind! Ein Skandal ungeahnten Ausmaßes! Die Eurobanker vergiften ihre Kunden!“
(S. 21)

Was mich wirklich stört ist, wenn Leser für dumm verkauft werden sollen. Der Autor dieses Pamphletes scheint seine Leser allesamt für vollkommen verdummte Mitmenschen zu halten. Diesen Eindruck muss man jedenfalls gewinnen, wenn man die These der krankmachenden Euromünzen liest. Diesbezüglich zu stellende Fragen wären:

  • Wie viel Metallabrieb entsteht beim Benutzen einer Euromünze?
  • Wie viel wird davon inhaliert?
  • Wer inhaliert ganze Euros?

 „…Bestimmt, denn auch ganz gewöhnliches Edelstahlgeschirr besteht zu 18 – 20 % aus diesem Metall. Durch Abrieb und Korrosion des Geschirrs (und natürlich auch durch das Münzgeld) nehmen wir alle viele tausend mal mehr von diesem Metall auf als ein Raucher durch Zigaretten, dennoch macht sich darum keiner Sorgen.“

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn dieser Herr einmal lernen würde, dass a) es einen Unterschied macht, ob ein Schadstoff oral aufgenommen oder ob er inhaliert wird und dass b) das Nickel im atomaren Gitter des Edelstahls zu einer Legierung gebunden ist und nicht ohne Weiteres freigesetzt werden kann. Des Weiteren liefert er wiederum keiner Zahlen für seine absurde These, wir würden uns durch den Gebrauch von Münzen und Edelstahlgeschirr schleichend selbst vergiften und mit Kanzerogenen belasten.

Und jetzt kommen wir langsam an den Punkt, wo sich dann ganz heftig die Fußnägel hochrollen:

„Cadmium
 
100 Nanogramm? 0,000.000.1 Gramm? Das ist alles? Das ist gar nichts! Wer ein einziges mal einen Nickel-Cadmium-Akku gekauft und dann weggeworfen hat, hat damit mehr Cadmium in die Umwelt freigesetzt als 500 starke Raucher in ihrem ganzen Leben!“
(S. 21)

Aha. Und wer atmet diesen weggeworfenen NiCd-Akku dann ein? Oder wie soll man sich diese selten dümmliche Posse vorstellen? Das Cadmium in einem NiCd-Akku ist wohlweislich hermetisch gegen die Umwelt versiegelt. Außerdem ist es chemisch im Akku gebunden. Akkumulatoren dürfen darüber hinaus nur in dafür ausgewiesenen Fachbetreiben entsorgt werden und werden nur von absoluten Vollidioten (man entschuldige diese harte Begriffswahl) in die Landschaft entsorgt. Also wird bei ordnungsgemäßer Entsorgung gar kein Cadmium in die Umwelt freigesetzt.

„Polonium 210
wird im Tabak tatsächlich angereichert, aber auch nicht mehr als zum Beispiel in Meeresfrüchten. Deshalb haben Japaner etwa genau so hohe Poloniumkonzentrationen im Körper wie Raucher, was jedoch nicht verhindert, dass sie die höchste Lebenserwartung weltweit haben. …“
 
Leider schon wieder falsch. Erstens werden Meeresfrüchte gegessen und nicht inhaliert, die Verweildauer des Po-210 im Körper ist daher wesentlich geringer als wenn es sich am Tabakrauchfeinstaub gebunden tief in der Lunge ablagert (s. u.!). Zweitens ist die angeblich hohe Lebenserwartung der Japaner primär der Tatsache geschuldet, dass die japanischen Melderegister nicht korrekt geführt werden und Verstorbene oft nicht gemeldet werden, weil Angehörige weiter die staatliche Rente beziehen wollen.
 
„…Die Inhalation von Radon und seinen radioaktiven Folgeprodukten ist eine
der wichtigsten Ursachen für Lungenkrebs.“
(S. 22)

Kleine Änderung: Die wichtigste Ursache des Bronchial-Ca. ist nach wie vor das Rauchen von Tabak. 95% aller Bronchialkarzinome werden durch Tabakrauch verursacht. Nur mal so am Rande bemerkt.

„…Einige Gebiete Deutschlands sind besonders betroffen: Im Thüringer Wald, dem Schwarzwald oder dem Erzgebirge nehmen die Menschen leicht zehn- bis hundert mal höhere Dosen aus dem Boden und den Mauern ihrer Häuser auf als anderswo. Dagegen fällt die radioaktive Belastung aus Rauch oder gar Passivrauch nur gering oder buchstäblich unmessbar ins Gewicht.“

Leider vergisst er (neben seiner üblichen Dyskalkulie und daher seiner Unfähigkeit belastbare Zahlen als Beleg für seine Thesen zu nennen) folgenden Sachverhalt :

Das Po-210 entsteht als Zerfallsprodukt von Radon und ist ein Metall. Seine physikalische Halbwertszeit (HWZ) beträgt 138 Tage, Es zerfällt unter Abgabe von energiereichen Alphateilchen zu Pb-206, einem Isotop des Blei.

Po-210 lagert sich dabei bevorzugt an Feinstaubpartikel, insbesondere an jene des Tabakrauches, an. Deshalb ist die Verweildauer des Alphastrahlers in der Lunge deutlich höher als bei Radongas, das in reiner Luft aufgenommen wird. Radon wird erst in Zusammenhang mit Feinstaub hochproblematisch, wenn dieser in der Lunge verbleibt. Deshalb ist bei rauchenden Bergleuten auch das Lungenkrebsrisiko überproportional erhöht, da sie sich einen Alphastrahler UND Feinstaub in hoher Dosis zuführen was zu einer längeren Verweildauer des Alphastrahlers im Bronchialsystem des Menschen und damit zu einem erhöhten Krebsrisiko führt.

Fazit

Man findet nun langsam die Antwort auf die Frage, warum unser Autor seinen Namen nicht nennen will. Kommen wir also zum Abschluss der Besprechung dieses Pro-Nikotinpamphletes. Wer einen derartigen unwissenschaftlichen Blödsinn veröffentlicht, tut gut daran, seinen Namen geheim zu halten. Denn dieser Autor wäre in Kürze vollkommen erledigt. Der Herr könnte wohl höchstens noch in der städt. Müllsortieranlage anfangen. Dieses hier vom sog. „Netzwerk Rauchen“ vorgelegte Pamphlet würde ich, so es von einem Schüler käme, diesem mit einer Bewertung „ungenügend“ um die Ohren hauen. und ihm den Rat geben, sich anstatt der Naturwissenschaft im weiteren Leben doch besser dem Verfassen von Science-Fiction-Literatur zu widmen.

Halten wir fest: Tabakrauch ist eine Substanz die beim aktiven Raucher nachgewiesenermaßen schwerste Gesundheitsschäden wie z. B. Lungenemphysem, Herzkranzgefäßleiden und vielfältige Formen von Krebs erzeugt. Es ist vollkommen unplausibel, dass diese Subtanz dem aktiven Raucher zwar die genannten gesundheitlichen Schäden mit einem sehr hohen Risiko früh zu sterben zuzufügen vermag, beim Passivraucher dagegen vollkommen harmlos sein soll. Diese Annahme widerspricht u. a. alleine der für den Tabkrauch nachgewiesenen Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen Exposition und dem Risiko für bestimmte mit dem Tabakrauchen assoziierte Krankheiten. Besonders für die kanzerogene Wirkung des Tabakrauches gibt es keinen Schwellenwert unterhalb dessen eine Exposition bei allen exponierten Personen folgenlos wäre.

 

Peter Rachow (Mai 2010)

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